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Der VW Touran Rechtslenker im Selbstversuch

Die Ergebnisse überraschen. 

 

 

AKTUELL liegen wir bei über 100.000 Testkilometern

Das Auto als Rechtslenker in Deutschland fahren ist keine unmögliches Unterfangen

 

Eines Tages fasste ich den Entschluss ein anderes Auto zu kaufen. Aus der Suche wurde eine überraschende Selbsterfahrung wie dieser Tatsachenbericht beweist. Die Ergebnisse aus diesem Selbsterfahrungstrip lassen aufhorchen. Dabei formulierte ich meine Kaufbedürfnisse schlicht und kürzer als der durchschnittliche deutsche Autokäufer. Möglichst viel Ausstattung zu möglichst kleinem Preis. Und weil ich gerne gegen den Strom schwimme, sollte es auf keinen Fall ein Silberner sein. Als ich meine knappe Suche der Autosuchmaschine im Internet anvertraute, holte mich die Realität schnell ein.

 

 

 


Internetsuche
Da erspähte ich eine Interessante Offerte. VW Touran, ganz nett ausgestattet und ein Gewerbehaken abnehmbar. Mit diesem Wagen erfülle ich mir alle Wünsche. Platz für mindestens 2 Kisten unnötigem Ballast, variabler Innenraum für das Spielzeug meiner Kinder und das serienmäßige Wissen, endlich auch mal einen Neuen zu fahren sind unschlagbare Argumente, diesem Inserat auf den Grund zu gehen. Ein Fahrzeug mit Lenkrad auf der rechten Seite stand da geschrieben. Ich versuchte mir vorzustellen, wie sich ein solches Auto wohl fährt. Da wir bereits ein baugleiches Fahrzeug besitzen, benötigte ich nur wenige Versuche als „Beifahrer“, um mich von der Übersichtlichkeit der rechts gelenkten Variante zu überzeugen.

 

 

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Zweifel
Bevor ich allerding den letzten und entscheidenden Ruck wagte, typisch unentschlossen und im Zweifel, suchte ich stundenlang das Word Wide Web rauf und runter. Ich studierte Unmengen informative Seiten, las jede nur erdenkliche Meinung und Anmerkung. Und am Ende stand die Erkenntnis: „Wer im Internet nach Krankheit sucht, wird selber krank. Er erfährt dabei alles über jeden nur erdenklichen und unmöglichen Fall.  Und je tiefer und länger die abendlichen Lesestunden ausfallen, desto mehr übernimmt der Zweifler die Weisheiten anderer.“  Dabei kam mir in die Erinnerung, dass ich bereits  vor einigen Jahren für einige Monate mit einem linksgesteuerten Fahrzeug  in Großbritannien unterwegs war. Einfach so und ohne großes Nachlesen.

 

Entscheidungen fällen
Um meinem Gewissen den Vorzug zu geben, beschloss ich ein paar „normale“ Autos näher zu betrachten. Die eine oder andere interessante Probefahrt konnte mich aber nicht von meiner Neugier abbringen, wie es wohl ist einen Rechtslenker zu fahren.  „Irgendwann musst Du auch mal ein Mann sein und Entscheidungen fällen“ sagte ich mir und zog los.
Kurzum, ich habe Ihn gekauft. VW Touran Rechtslenker, kurz RHD. Die Position von Gas und Bremse sind mir ja vertraut und ohne Umgewöhnung leicht zu finden. Nur Lichtschalters und Schalthebel hatten sich in japanischer Umkehrordnung versteckt. Zum Glück reichte der Einfluss der asiatischen Verbraucher nicht bis in mein Auto. Wischhebel und Blinker befinden sich ebenso, wie der bekannte Tachometer an erwarteter Stelle.

 

   

Überblick
Wie ich gehofft hatte, bietet der linke Außenspiegel ein sehr gutes Blickfeld. Bis hier hatte ich mir eingebildet, die Sicht nach Hinten mit einer zusätzlichen Spiegel- oder Kamerakonstruktion verbessern zu müssen. Ein Irrglaube wie sich herausstellte. Die ungewohnte und neue Tätigkeit in meinem  Rechtslenker  ist aber der Schulterblick nach links, welchen ich mit der Muttermilch meiner Fahrschule aufgenommen hatte. Inzwischen tastet meine linke Hand zwischen den Sitzen herum. „Der Handbremshebel ist weg!“  Ach nein, die Dussel haben vergessen,  ihn von links zu mir nach rechts zu bauen  um meiner jetzt viel beschäftigten Linken acht Zentimeter Greifarbeit zu ersparen. 

 

Erste Schritte
Also Schlüssel drehen, Gang einlegen, Schulterblick und…Motor abgewürgt. So ein  Mist, wenn das jetzt Olaf gesehen hätte, dann wäre jetzt eine Kiste Bier fällig. Mein Fahrlehrer hatte doch aber immer darauf bestanden, das  ich den Schalthebel zu mir rüber ziehen soll um die erste Fahrstufe zu treffen. Der Blick auf die Schaltkulisse belehrte mich eines Besseren. Links hoch und nach rechts unten durch kämpfen, dabei den Blinker betätigen und das Radio bezwingen. Alles neu und eben wie bei meiner ersten Fahrstunde. „Wir folgen dem Verlauf der Hauptstraße“ bestimmte  mein Mentor damals neben mir den Fahrweg, weil  er das ständige „links- und rechtsherum“ satt hatte. Und heute übernimmt das eben der elektronische Beifahrer. „in einhundert Metern bitte links abbiegen, Sie fahren auf die Autobahn…“  Zweifel kamen mir weder als Fahranfänger noch bei meiner ersten Fahrstunde im Rechtslenker auf.

    

 

Fahren mit Rechtslenkern
Zugegeben, die ersten paar Kilometer stellte sich ein ungutes Bauchweh ein. Das Gefühl kannte ich. Es war das selbige Gefühl, wie bei meiner ersten Stunde zum erhofften Führerschein. Eine Mischung aus Vorfreude, Aufregung  und Vorsicht.  Doch je mehr der Wagen rollt, kommt die Routine. Man  fängt an Spaß daran zu bekommen und sucht natürlich nach Argumenten. Wie bringe ich es aber meinen Freunden bei? Was wird der Nachbar sagen? Wer grüßt plötzlich den lehren Sitz auf der linken Seite  und hat der mich überhaupt erkannt? Da sitzt doch keiner!

 

Gute Argumente
Ich beschloss, ernsthafte Argumente für die Nutzung eines Rechtslenkers zu finden und dabei so realistisch wie möglich auch die uns allen in Vergessenheit geratenen Gefahren eines Linkslenkers zu analysieren. Dabei macht es der Gesetzgeber dem geneigten Autofahrer einfach. In Deutschland müssen nach und nach alle Straßen rechtwinklig aneinander  heran geführt werden.  Jeder kennt die lustigen Doppelkurven kurz vor einer Kreuzung, bei denen man sich fragt ob sich da jemand bei der Berechnung des Treffpunktes zweier Straßen verrechnet hatte.

(Quelle: Richtlinien für die Anlage von Straßen – Teil: Knotenpunkte(RAS-K), Knotenpunkte und Brücken: Bei neu gebauten Strecken sollten Abzweigungen alter Straßen rechtwinklig in die neue Straße eingeführt werden. Aus Gründen der der Erkennbarkeit und Übersichtlichkeit sollen Verkehrsknoten möglichst in Wannen liegen.)

   

Mit Segen der EU
Auch das liberale Europa sorgt für Erleichterung. Seit 1996 werden jedem Fahrzeug sogenannte EU-Übereinstimmungsbescheinigungen (COC) beigefügt. Mit diesem Zettel erleichtert die EU die europaweite und legale Zulassung eines Fahrzeuges und legt damit die Grundlage für grenzüberschreitenden Fahrzeughandel. Voraussetzung hierfür ist, dass eine EG-Typgenehmigung für das Fahrzeug in dem jeweiligen Mitgliedsland erteilt wurde. Das COC-Papier ist ein amtlich anerkanntes Zulassungsdokument für Fahrzeuge, die für den europäischen Markt gebaut wurden.

(Quelle: Richtlinie 70/156/EWG ab 2009 stufenweise Umstellung auf 2007/46/EG )

 

COC Papiere
Auch ich kann ein solches Papier für meinen Wagen vorweisen und  nach Einhaltung aller Zulassungsformalitäten konnte ich mein Fahrzeug ohne weiteren Aufwand legal und rechtssicher angemelden. Hier durfte  ich dann auch schon eine weitere Besonderheit durchleben. Die Zulassung eines „neuen“  Gebrauchtwagens.  Die Verwirrung ist perfekt. Mein neuer Wagen ist jetzt doch ein Gebrauchter aber doch irgendwie neu.

( Mehr Infos unter www.auto-im-Vergleich.de)

 

Der TÜV Termin
Trotz aller Vorarbeit und korrekter Unterlagen muss das Fahrzeug einem technischen Prüfer vorgestellt werden. Er stellt fest, ob das jeweilige Fahrzeug verkehrssicher und regelkonform ist. Das ich gerade diese Internetofferte kaufte, half mir nun ein gutes Stück weiter. Mein Touran  Rechtslenker entsprach ausnahmslos allen aktuellen Umweltauflagen wie der Abgasnormung, er besitzt die notwendige Beleuchtungsanlage hinten (Rückstrahler, Blinkerfarbe etc.) und die Frontscheinwerfer für den Rechtsverkehr. Das leuchtet mir ein, denn mit den falschen Hauptscheinwerfern würde ich den Gegenverkehr unnötig blenden. Als Beweis seiner guten Arbeit erhielt ich ein umfangreiches TÜV-Datenblatt mit beeindruckend vielen DIN Normen inklusive dazugehöriger Rechnung über fast  einhundert Euro.

 

Alles Übungssache
Die ersten Tage verbrachte ich mit meinem eigenen Versteckspiel. Einsteigen, überlegen, aussteigen und dann rechts einsteigen. Die Macht der Gewohnheit trieb mich immer wieder zur linken Fahrzeugseite. Nur da war kein Lenkrad. Praktischer Weise konnte ich jetzt in meiner linken Garagenhälfte vorwärts einparken. Die große Heckklappe ist nun ganz bequem zu öffnen. In Fachkreisen wird sie übrigens  Laderaumtür genannt was genau so ein Blödsinn ist, wie die Bezeichnung 5-Türige Kombilimousine. So gesehen erzieht mich jetzt meine Garage. Sie erzwingt den Einstieg auf der für Rechtslenker vorbestimmten, richtigen Seite. Da ich ein so genannter „Spiegelfahrer“ bin, kann ich jetzt überaus komfortabel in meine Garage fahren und diese per Blick in die Rückspiegel  spielend leicht verlassen. Ein Vorteil den ich mit einem Linkslenker so nicht gehabt hätte.

 

Die Nachbarn merken es
Ich hatte inzwischen meinen Spaß daran gefunden, dass meine Nachbarn mal wieder Interesse an mir zeigten. Sie hatten diesen typischen Gesichtsausdruck, wenn man zum ersten Mal ein Mondauto in echt sehen darf. „Häää? Was war denn das jetzt?“ Auf dem Fahrersitz sitz doch keiner und Herr Nachbar grüßt von der Beifahrerseite.“ „Hallo! Ich habe einen Rechtslenker!“ dachte ich zurück. Und da machte ich eine wohl eher nicht so ernst zu nehmende Beobachtung. Wenn ich in den Rückspiegel sehe, sitzen alle Fahrer irgendwie auf der rechten Seite, schon mal aufgefallen? 

 

Versuchsfahrt
Inzwischen habe ich schon über 29000 Versuchskilometer abgespult. Unfallfrei und ohne nennenswerte Probleme übrigens. Nur ein Radfahrer verhagelte mir dies Makellosigkeit

mit seiner Fahrt in mein parkendes Auto. Ich kann jedoch inzwischen behaupten, die tägliche Praxis bringt´s. Wie beim Fahranfänger! Und ich finde unzählige Argumente gegen den Rechtslenker, aber ebenso auch gegen den Linkslenker. „Du fängst an, den Spaß am Rechtslenker zu genießen.“ witzelt mein inneres Ich und verlangte von mir diese ausführliche Reportage zum Thema Rechtslenker.

 

Presse
Interessant ist übrigens ein Bericht der BBC zum Sachverhalt. Die hat herausgefunden, dass in Kambotcha, (übrigens Rechtsverkehr wie bei uns) japanische Autos am Beliebtesten sind. Über achtzig  Prozent aller dort zugelassen PKW haben Rechtslenkung. Der Tag des Linkshänders am 13. August unterdes erinnert uns stetig daran, daß Leute „die es anders herum tun“ längst keine Außenseiter mehr sind. Die Akzeptanz ist umso höher, je mehr die Leute darüber wissen. Ein hochangesehener, deutscher Verhaltensforscher  brachte es mal auf den Punkt: „ Die Angst geht verloren, wenn man sich täglich dieser stellt.“ Dazu ein einfacher Selbstversuch für alle zweifelnden Linkslenker: Einbahnstraße ansteuern und jeden Tag auf der linken Fahrbahnseite einparken.

 

Statistische Werte
Selbst die geliebte Statistik bietet  ausreichend Argumente für ein Fahrzeug mit Rechtslenkung. Das Statistische Bundesamt (DESTATIS) ermittelte eine für Personen der rechten Fahrzeugsitze eine nur zwölfkommafünf prozentige Wahrscheinlichkeit bei einem Unfall zu sterben. Das entspricht gerade mal einem Viertel  des Risikos von Insassen im linken Fahrzeugsitz. Das Verletzungsrisiko beziffern die Statistiker in etwa gleichem Verhältnis.

(Quelle: Statistisches Bundesamt 2007,Unfallgeschehen im Straßenverkehr 2006, verunglückte Fahrer 37,5 %, Mitfahrer 11%; getötete Fahrer 56,4 %, Mitfahrer 12,4%, Anmerkung der Redaktion: Die Statistik geht von linksgelenkten Fahrzeugen aus und erhebt nur Statistiken, wenn auf den Sitz eine Person sitzt.)

 

Passanten
Der eher gemütliche Aspekt des RHD ist dann wohl im Alltäglichen zu suchen. Erst kürzlich hatte neben mir ein Fahrzeug mit auswärtigem Kennzeichen gehalten um nach dem Weg zu fragen. Der Fahrer war sichtlich bemüht seine Stimme in entsprechende Lautstärke zu bringen um den Luftweg über den Beifahrersitz aus dem rechten Seitenfenster bis hin zu mir zu überbrücken. Da ich kein Wort verstanden hatte, erlaubte er mir eher unfreiwillig dass ich meinen Kopf in seinen Wagen steckte. Ich hätte es lassen sollen. Da lobe ich mir meinen Rechtslenker. Am Bordstein anhalten, wild mit der  Landkarte winken  und nach dem Weg fragen. Meine Stimmbänder können dann bei der nächsten Überlandfahrt immer noch den Heino aus dem Radio anschreien.

 

Parkhaus
Zum Glück gibt’s in der Fremde auch Parkhäuser. Fast hätte ich einmal die Ausfahrt mit dem Parkhauseingang verwechselt, da ja bei mir auch alles anders herum ist. Direkt an der Schranke erspähte der gelangweilte Parkhauswärter schon mein Problem und versteckte sich dezent hinter seinem Beobachtungsmonitor. Da ich meine halbmetrische Greifzange vergessen hatte, wendete ich kurzerhand und zog meine Eintrittskarte zur Parkgelegenheit einfach im Rückwärtsgang. Dafür erntete ich seine Anerkennung und er beobachtete das Geschehen im Stehen weiter.
Wer weiß schon ob wir in baldiger Zukunft noch Schranken an Parkplätzen vorfinden werden. In verschiedenen Großstätten erforscht man gerade die Nutzung von Zahlsystemen per Mobiltelefon oder Kennzeichenscan.

 

Parklücke
Da zwingt sich doch gleich der nächste Gedanke auf. Ich erspähe eine Parklücke. Da mein Selbstversuch wirklich alle Dinge berücksichtigen sollte, konnte ich an dieser Lücke nicht vorbei. Mein Fahrlehrer ließ mir damals bei der Wahl meiner Parklücke immer freie Hand. Er wollte nur erfahren, warum ich wieder die kleinste Lücke als unwiderstehlich erachtete, so wie diese hier. Noch nie hatte ich eine Parklücke auf dem rechten Sitz erklommen und dabei die Geschicke des Fahrzeugs gesteuert. Ich stellte fest, dass das Umfeld sogar besser einzusehen ist, als bei meinem Linkslenker. Selbst die damals geforderten zwanzig Zentimeter Abstand zur Fahrbahnkante, welche mein Fahrschulprüfer forderte, kann ich nun spielend leicht erreichen. Wenn mein Fahrzeug jetzt noch mit einem Parklenkassistenten ausgerüstet wäre, müsste ich diesen Absatz leider streichen.

 

Aussteigen
Ganz abgesehen davon steige ich jetzt sicherer aus. Es ist doch mal schön, ohne große Rücksicht auf der rechten Seite aus dem Auto zu fallen, wenn man den Radweg daneben beachtet. Mal ehrlich, sieht denn jeder Linksfahrer wirklich in den Spiegel wenn er aussteigt? Und der fließende Verkehr interessiert sich auch nicht für dessen Aussteigewünsche. Deshalb geht die Tür trotzdem auf. Hier kann ich nun als „Beifahrer“ erzieherisch eingreifen und den hitzköpfigen Schnellaussteiger auf der linken Seite ebenso sicher des Fahrzeuges verweisen.

 

Ausparken
Dass ich eine gute Fahrzeugwahl getroffen habe, zeigt die gute Übersicht zur linken Seite hinaus. Daher sollte sich der Käufer eines Rechtslenkers vorher informieren, wie er mit Hilfe des Schulterblickes  gut das Umfeld des Wagens übersehen kann. Bei einem Coupefahrzeug  ist dies wegen der meist breiten Dachsäule hinten schlecht möglich und bei einem Kastenwagen sollte mindestens ein optimierter Weitwinkelspiegel montiert werden. Ich hatte mit einer solchen Kombination selber schon einmal das Vergnügen im Linksverkehr und kam damit gut zurecht. Vielleicht hilft hier auch eine Eigenkonstruktion eines Totwinkelassistenten weiter.

 

Supermarkt
Ein guter Supermarkt bietet seinen Kunden auch eine Stellmöglichkeit für seinen persönlichen „Einkaufswagen“ an. Die Fahrzeuge stehen geordnet nebeneinander, mit etwas Glück mit etwas mehr Lückenzentimetern zwischen den Autos. Am Besten sind die Fahrzeugführer, welche im eingezeichneten Lückenhalter ganz rechts einparken. Der Parkplatz links ist dann für mich, da ich gerne ganz links an die Linie rücke. Jetzt addieren sich unsere Platzhalter zu einem bequemen Zwischenbereich. Meine linken Mitfahrer lasse ich vor der Parklücke aussteigen.

 

Allgemeine Verkehrskontrolle
Selbst bei Dunkelheit hat  der Fahrer eine sehr gute Rundumsicht. Die auf der Fahrbahn befindliche Warnweste mit diesem Winkelement deutete auf eine Polizeikontrolle hin. „ Führerschein und Fahrzeugschein bitte“  sagte der Beamte bestimmend. „Nee, warum?“ entgegnete  mein Mitfahrer links. Dieses kurze Ablenkungsmanöver verschafft mir die nötige Zeit meinen Gurt elegant in das dafür vorgesehene Schloss gleiten zu lassen. Jetzt hatte der freundliche Polizist die Lage überblickt und umrundete stehenden Schrittes mein Fahrzeug. Es ist wohl nicht auszudenken was passiert, wenn ich einen betrunkenen Kollegen nach Hause fahren möchte.

 

Über Land
Die Unfallhäufigkeit außerhalb von Ortschaften ist mit Autobahnen und Landstraßen zusammen gerechnet nur etwa halb so hoch im Vergleich zu denen in Ortschaften. Die Unfallfolgen sind jedoch als schlimmer anzusehen, da hier mehr Fahrzeuge mit Bäumen kollidieren oder von der Fahrbahn abkommen als Innerorts. Bei Überlandunfällen wiederum entfällt nur ein geringer Teil auf unsachgemäßes Überholen. Irrtümlicher Weiße behaupten viele, daß hier die meisten Unfälle entstehen. Tatsächlich ist Raserei der schlimmere Risikofaktor. Jeder sollte an dieser Stelle mal sein eigenes Fahrverhalten überdenken, egal ob Links- oder Rechtshänder. Wer ehrlich zu sich ist, bemerkt eine erhöhte Risikobereitschaft bei Fahrten außerhalb.

(Quelle: Statistisches Bundesamt 2007, Unfallhäufigkeit mit Personenschäden beim Überholen 16120 mal, durch überhöhte Geschwindigkeit 64742 mal)

 

Landstraße
Bei der Fahrt über Land ergeben sich auf den ersten Blick Gefahrenpunkte beim Überholen. Doch neue Situationen benötigen neue Ansätze mit denen sich der Fahrer erfolgreich bewähren kann. Zunächst bremste mich mein Rechtslenker aus. Ich verfiel  in Vorurteile Anderer und klemmte mich Kilometerlang hinter LKWs. Ich hatte dadurch Zeit gewonnen andere, herkömmliche Fahrzeuglenker, bei Ihren Überholvorgängen zu beobachten. Dabei bemerkte ich, dass ich gerade bei lang gezogenen Rechtskurven eine deutlich bessere Übersicht hatte und nutze dies inzwischen, zum Verdruss aller Linkslenker, schamlos aus. Wenn die Situation überschaubar ist, hänge ich mich manchmal an den Überholer vor mir und keiner merkt einen Unterschied. Ein Busunternehmer berichtete mir einmal von seinen Erfahrungen in England: „Ich lasse mich etwas zurück fallen und vergrößere so meinen Sichtwinkel auf die Gegenfahrbahn erheblich. Wenn ich doch mal nichts sehe, hilft mir meine Reiseleiterin auf dem Beifahrersitz mit einem kurzen <Frei!>.“

(Anmerkung der Redaktion: Große Steinschläge an Fahrzeugen entstehen übrigens überwiegend durch zu nahes Auffahren auf den vorrausfahrenden Verkehrsteilnehmer. Und zu dichtes Auffahren vergrößert auch die Chance beim Aufleuchten der Bremslichter bereits im Heck des Vordermannes einzuschlagen.)

 

Noch eine Statistik
Das Institut für Verkehrsplanung und Transportsysteme in Zürich führte 1999 eine Studie zu Fahrverhalten und Unfällen in Kurven und  Kurvenbereichen durch. Dabei stellte man fest: „Die Fahrzeuglenker fahren grundsätzlich in einem deutlich größeren Abstand zum Straßenrand, als zur Mittellinie und zwar sowohl in Links- als auch in Rechtskurven und weitgehend unabhängig von der Fahrbahnbreite.  Eine andere Studie fand eher zufällig heraus, daß Fahrzeuge überdurchschnittlich häufig dort kollidieren, wo sie sich begegnen, an der Mittellinie. (Siehe Euro NCAP Crashtest)
Gut dass ich den Abstand zum rechten Fahrbahnrand in meinem Fahrzeug besser überblicken kann.

 


Unfallforscher
Ein jeder Zweifler hat nach seiner erlernten Erfahrung ein sofortiges Argument gegen das Fahren mit Rechtslenkern in Deutschland. Hier kommen die Ergebnisse von  Unfallforschern ins Spiel. Sie untersuchten die Anpassung der Fahrer an eine Rechtslenkung in einem Urlaubsland mit Linksverkehr. Dabei stellte man fest, dass  sich diese Fahrer sehr  gut an die neue Situation anpassen können und dabei nahezu an keinem Unfall beteiligt sind. Die Umstellung gelingt überraschend schnell. Dabei nutzen Sie, ohne weiteres Zögern, ihre genetischen Urinstinkte positiv und  stellen sich mit vorsichtigem Herantasten zumindest in den ersten Tagen einer Herausforderung, welche für Gegner der Rechtslenkung undenkbar wäre. Im Umkehrschluss kann man auch sagen, der Mensch arrangiert sich besser mit neuen Situationen, als man es wahr haben will.

 

Autobahn
Die Einfahrten von Autobahnen sind, bis auf wenige Ausnahmen übersichtlich angelegt. Sie besitzen eine lange Einfädel- bzw. Beschleunigungsspur. Damit reichen eine Kombination aus Schulterblick und Abbild im Rückspiegel völlig aus, den Weg auf die Fahrspuren zu finden. Jedes weitere Risiko hält sich exakt die Waage wenn es um den Vergleich von Links-und Rechtslenkern bei Fahrspurwechseln und Überholvorgängen geht. Die Übersicht beim Ausscheren ist auf Grund der Relativgeschwindigkeit zwischen den Fahrspuren gut einzuschätzen. Selbst die unverantwortlichen Raser, welche schnell im Rückspiegel größer werden und sich ebenso schnell am Horizont verkleinern, sind kein höheres Wagnis für Rechtslenker. Bei Ausfahren bietet sich ein leichter Vorteil für Rechtslenker gegenüber dem unverbesserlichen Rechtsüberholer. Dafür punktet der Linkslenker leicht bei der Einfahrt in die Autobahn. Der Blick nach Vorne ist bei Beiden gleich, da von dort wohl eher kein Gegenverkehr zu erwarten ist.

 

Kreisverkehr
Die Benutzung des Kreisverkehrs wird für alle Verkehrsteilnehmer zu Herausforderung. Da die Einfahrt gut einzusehen ist, stellt diese für den Rechtslenker keine Gefahr da. Befindet sich das Fahrzeug im Kreis, hat es Vorrang bis es ausfährt. Dabei ergibt sich ein deutlicher Vorteil für Rechtslenker. Der Fahrer sitzt rechts und kann die einfahrenden Autos sowie die Fuß- und Radfahrer besser wahrnehmen. Nur der Genuss der Blumenpracht auf der Kreismitte bleibt dem Beifahrer vorbehalten. Bei mehrspurigen Kreisverkehren heben sich Vor-und Nachteile beider Lenkvarianten auf, da die Fahrspurwechsel gleich unfallträchtig sind. Übrigens ist das Rückwärtsfahren entgegen der vorgeschriebenen Fahrtrichtung im Kreisverkehr für alle Verkehrsteilnehmer verboten.

 

Stadtverkehr
Verschiedene, bereits aufgezeigte Argumente lassen sich auch auf den Stadtverkehr übertragen. Bei mehrspurigen Fahrbahnen halten sich die Argumente die Waage. Bei herkömmlichen Straßen sehe ich dann eher die Gefahr der „übersehenen Straßenbahn“ beim Linksabbiegen. Einige Rechtsabbieger hatten dieses Verkehrsmittel und den Radfahrer bei zahlreichen Unfällen rechts nebenan bis zur Kollision auch nicht bemerkt. Dazu kommen schon vergessene Autofahrertugenden: das Arbeiten mit Spiegel und dem Schulterblick sowie ein Portion Zurückhaltung. Erst kürzlich lieferte ein Bekannter unfreiwillig eine weitere Argumentation und untermauert meine Erfahrung über die Gleichstellung von Links- und Rechtslenker. Er wurde links von einem Fahrzeug überholt und von diesem dann beim Einscheren in die Fahrspur links getroffen. Mit einem Rechtslenker wäre dies vermutlich nicht passiert.

 

Andere Rechtslenker
Fahrschulautos sind zwar keine Rechtslenker, der Fahrlehrer hat aber die volle Verantwortung und die dafür nötige Pedale auf seiner Seite. Er ist, einem aktuellen Gerichtsurteil zufolge, auch als Fahrzeugführer anzusehen wenn er während der Fahrt telefoniert oder Zeitung liest. Fahrlehrer spulen im Jahr tausende Kilometer ab, zwar verantwortlich allerdings nicht ganz so aktiv wie ein Right Hand Driver. Kehrmaschinen und Müllautos sind überwiegend mit Rechtslenkung ausgerüstet, da dieses den Arbeitsablauf wesentlich vereinfacht. Sicher fahren diese Fahrzeuge im Stop & Go Verkehr, müssen aber Ihre gesammelten Hinterlassenschaften über weite Wege zur Abfallentsorgung bringen.

 

Da auch Rechtslenker einer uneingeschränkten Nutzung durch Werksangehörige unterliegen, werden diese auch bei einschlägigen Fahrzeugproduzenten zu günstigen Konditionen an die Mitarbeiter verleast, was Erfahrungsberichte im Internet belegen. In einigen Bundesländern ist die Fahrzeugdichte mit zugelassenen Rechtslenkern leicht erhöht, bedingt durch die Bewohner aus rechtslenkenden Ursprungsländern. Selbst Oldtimerfreunde reiben sich vor Freude die Hände, wenn Sie einen Rechtslenker ergattern können. Solche Fahrzeuge werden oft hoch gehandelt und sind begehrter als baugleiche Fahrzeuge mit Linkssteuerung. (Bsp.: Wartburg 311 Rechtslenker, Borgward Arabella)

 

Technische Abweichungen
Tatsächlich besitzen Rechtslenker zum Teil einige technische Besonderheiten. Doch einige Hersteller bauen inzwischen im Baukastensystem. Daher stellen sich immer weniger Unterscheidungsteile ein. Der Sitzposition des Fahrers entsprechend, sind die Scheibenwischer rechts angeschlagen und bieten so ein optimiertes Wischfeld für eine bessere Sicht. Früher wurden die Tankdeckel auf der Fahrerseite eingebaut. Zum Einen tankte man damals am Fahrbahnrand und zum Anderen sah man  das Befüllen mit dem Reservekanister als ungefährlicher.  Weiterhin  hatte es auch den Vorteil, dass die Fahrzeugtanks etwas weiter aus dem Bereich von schweren Fahrzeugcrashs rückten. Heute verzichtet man aus Kostengründen auf solche Eigenheiten. Selbst die Außenspiegel entsprechen fast ausnahmslos denen ihrer Linkslenker. Bis vor wenigen Jahren wurde auch das Endrohr der Abgasanlage seitlich in die Fahrzeugmitte herausgeführt. Damit wollte man die Schadstoffe von Fußgängern und Wohnhäusern fern halten. Eine solche Auspufführung wäre heute zu aufwendig und wird bei beiden Typen gleich konstruiert.

 

Die Pedalerie ist bei Links- und Rechtslenker gleich angeordnet. Es wäre sicher auch ein sehr hohes Sicherheitsrisiko ein solches Durcheinander anzubieten. Die Getriebeschalthebel sowie die einzelnen Fahrstufen sitzen an gleicher Position. Meist ist die Umgewöhnung hinsichtlich des „Durchschaltens“ der einzelnen Gänge unproblematisch. Ein Tanzlehrer formulierte es mal so: „ Ein guter Tänzer wechselt die Herren- mit der Damenposition und tanzt in gleicher Qualität weiter.“ Ausnahmen bilden die lenkstockgeschalteten Automatikgetriebe, welche seitenvertauscht sind. Sonst käme es ja zu Engpässen an der rechten Tür.

Vornehmlich bei japanischen Ausführungen von Fahrzeugmodellen bzw. bei Japanimporten kommt eine sogenannte Spiegelung häufig vor. Scheibenwischerbedienung und Blinkerhebel werden hier in asiatischer Feinarbeit vertauscht. Bei einigen Modellen greift man auf die Idee der nachgerüsteten Fahrschulpedale zurück. Die Bauteile im Motorraum entsprechen dabei weitestgehend denen eines Linkslenkers. Sie werden aber mit Übertragungsgestängen nach links bedient. Dank „Drive by Wire, kurz  DBW“, also Verzicht auf mechanische Bauteile, wird die Übertragung per Elektronik durchgeführt und vereinfacht das Problem.

 

Die Lage von Motorhaubenentriegelung und Tankdeckelöffnern ziehen mit dem Fahrer aus praktischen Gründen um. In einigen Modellen entfällt dies durch eine zentrale Anordnung der Bedienelemente. Ebenso betrifft dies Fahrzeuge mit elektronischer oder mechanischer Feststellbremse (bekannt als Handbremse welche mit dem Fuß zu betätigen ist). Dagegen verbleiben die herkömmlichen Handbremshebel fast immer an Ihrer ursprünglichen Position, zum Fahrersitz des Ursprungslandes angeordnet.
Aus Platzgründen zieht auch der Klimatauscher im Fahrzeuginneren um. Im meinem Wagen sitzt er hinter dem Handschuhfach. Ein Service hinter dem Lenkrad wäre auch aus Gründen einer einfachen Wartung konstruktiver Unsinn. Dagegen wird die Klimaanlage nicht seitenvertauscht, was bei deren Bedienung aber wenig aufhält. Klappbare Beifahrersitze müssen naturgemäß die Seite wechseln, da ein nach vorne umlegbarer Fahrersitz kaum einen Sinn ergeben würde.

Dank Baukastenprinzip werden selbst Bodenbleche fast identisch gebaut. Lediglich die Durchführungen für Kabel, Pedale und Lenkung werden angepasst oder durch Dichtungen auf der jeweiligen Seite  verschlossen. Bei Ersatzteilen gibt es keine oder kaum Preisunterschiede. Typischer Weise haben Autowerkstätten in Deutschland aber nur Ersatzteile für Linkslenker auf Lager. Und daher ergeben sich auch unter Umständen Bestellzeiten die länger als 24 Stunden sein können. Auch auf die jeweilige Lenkradseite sollten Werkstätten unbedingt achten. Denn wenn man einen Fahrersitz bestellt, dann kommt eben immer der Beifahrersitz. Bitte also die Werkstatt darauf noch einmal hinweisen.

 


Fazit
Alles wird besser, aber ändern wird sich nichts. Wer Selbstvertrauen besitzt, kann auch die Lenkradseite tauschen, hier oder im Urlaub. Und wer seinen Führerschein nicht im Lotto gewonnen hat, lernt schnell mit einem Rechtslenker meisterhaft umzugehen, unfallfrei und lange Zeit.
Da Rechtslenker in Deutschland, wie bei Linkshändern,  immer noch mit Vorurteilen behaftet sind, können diese fast nur über den Preis verkauft werden. Und hier gilt eben auch die alte Weisheit eines Autohändlers: „Im Einkauf liegt der Gewinn“. Wenn das Fahrzeug also im Gegensatz zum linksgelenkten Bruder um mehrere tausend Euro billiger ist und dabei mehr Ausstattung aufweist, sollte man sich doch ernsthaft mit dem Thema Rechtslenkung auseinander setzten.

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